Das Aperschnalzen

S’Preisschnalz’n is!

Is Weihnacht’n umi, dann hert ma’s scho bald,
wia’s im Rupertigau umadum hallt,
d’Schnalzer wernd munter und doan si scho zamm,
weil’s ja mitunter a G’moaschnalz’n ham!

Der Tag werd scho länger und d’Sun kriagt a Kraft,
ma hert’s a oft renger und s’Holz ziagt scho Saft.
Vo de Berg dona kimmt a vui wärmerer Wind,
und ma merkt, wia scho überall s’Wasser zammrinnt.

Des Saalach- und Salzachtal is scho allwei
drent und herent a de Schnalzer sei Gai,
de Grenz hat koan Sinn net in so an Revier,
denn d’Schnalzer, des sand ohnehin lauters Mir!

Ja, s’Zammschnalz’n ziagt si oft unendlich lang,
de oan, de sand z’kriagt und de andern sand krank;
de Passführer zwider, oft werd’s eah halt z’vie,
hoffentlich schmeiß’ns’ net wieder all’s hi!

Doch geht’s dann auf’s richtige Preisschnalz’n zua,
schnalz’ns voll Fleiß, ohne Rast, ohne Ruah,
der Ehrgeiz is wichtig, sonst macht’s wohl koa Freid,
dabeisei muaßt richtig zur heitigen Zeit!

A ganz kloane Buamapaß ham’s jetz zammg’stellt,
des g’hert dazua, daß’s am Nachwuchs net fehlt,
denn s’Leb’n, des geht weiter und bald kimmt der Tag,
wo mancher Alte amal nimmer mag!

`S werd eh nix versamt, es kennt jeder sei Pflicht,
der Schnee is scho gramt und der Platz is hergricht,
auf de Broatn, de windstaad, am Waldrand, de schee,
hams’ d’Schoat’n scho hig’strat, wo d’Schnalzer solln steh.

Jetzt geht nix mehr a, denn es is ja soweit,
der Tag, der is da, und es kemmern scho d’Leit,
`s Wetter tuat mit zu an g’scheit’n Gelinger
und vo der Weit’n segst d’Fahnen scho schwinger!

Ma siagt a scho Deirndl vo Zeit zu Zeit laffer
und a de Leit eahne Zeich’n verkaffer.
Paßnweis stengern dann d’Schnalzer beinand,
daß ma s’glei kennern, de meist’n am G’wand.
Da gibts ja heit saubere Tracht’n grad gnua,
und de Zipfihaub’n g’hert zu der Sach no dazua!

Der Festzug, der außi auf d’Wies’n maschiert,
werd vo der hiesig’n Musi og’führt,
zwoa aufg’schwanzte Rösser, de ziag’n hintadrei,
de Ehrngäst im Festwag’n, s’kannt besser net sei!

Oa Schnalzerpaß kimmt um de ander daher
und d’Habergoaß springt umanand, kreiz und quer,
d’Leit pass’n und wart’n auf all’s, was nu kimmt,
wenn a de Schoar bald koa End’ nimma nimmt.

Is’s dann soweit, dann pressiert’s aber g’scheit,
außi auf d’Wies’n es werd höchste Zeit,
de Paßführer solln eahner Nummer no ziag’n,
hoffern wohl, daß s’ net den letzt’n Platz kriagn!

De Preisrichter wern in a Zimmer zammg’sitzt,
da wissert i gern, wia s’scho manchmal ham gschwitzt,
a so a schwar’s Amt bedeit allerhand Ehr,
da brauchst an Verstand und dazua a g’scheit’s G’her!

D’Festbühne steht scho für d’Ehrengäst’ bereit,
der Vorstand geht auffi und red’t zu de Leit,
der Bürgermoaster, der d’Schirmherrschaft hat,
der für all’s haft und für alle steht grad,
der steht scho dort und werd lang no steh müaß’n,
er hat jetz’s Wort und muaß alle begrüaß’n,
an Pfarrer, an Landrat und all’s was bekannt,
und de Vertreter vom Salzburgerland,
dann alle Schnalzer vo drent und herent
und dazua all’s no, was Fuaß hat und Händ’!
De Leit werd so bang, denn sie möcht’n was segn,
sie wart’n scho lang, drum soll endlich was g’scheg’n!

Z’erst kemmern sämtliche Jungpaßn dro,
sie nehmern den Schwung vo de Groß’n scho o,
der Aufdrahrer schreit scho: „Heit’ g’schickt, oas, zwoa, drei!“
daß eahm heit ja koaner zwickt, hinterbei!
Dann hern ma’s scho schnack’ln, der Beifall is groß,
neamand derf fack’ln, der Teifi war los!

Des zwoate Mal hat’s scho g’wiß net so schee do,
dem Vorletzt’n is a de Goaßl davo,
sei Vordermo war ja scho nimmer so guat,
schaut’sn grad o, wia er springt voller Wuat!
So a gaachzornig’s Bürschei, des muaßt d’schnell suacha,
`s war g’scheiter, sie tat’n g’scheit zähl’n und net fluacher!

A so geht’s dann weiter, mal guat und mal schlecht,
es tuat halt oft leider net all’s wia ma’s möcht’!

„Für heit is der Preisschnalz’n wieder vorbei,
bitt’schon, ihr Leit, macht’s ma d’Wies’n glei frei,
alle, dia Schnalzer, dia heit mitdo ham,
schickern si für’n Generalbasch scho zamm!“

Bald fuchzehnhundert Mann, des sand scho ganz schee vie,
der Heini gibt’s Kommando und dann geht’s dahi!
Dia’s des erste Mal hern, de sand sicher verschreckt
und d’Viecher, de wern aus’m Winterschlaf g’weckt!

Ja, s’Fest ist jetz aus und des Schnalz’n verhallt,
aufgeht’s in’s Wirtshaus, ob Jung oder Alt,
d’Schnalzer ham Hunger und Durst wia no nia,
drum kriag’ns jetz a Wurst und a frische Maß Bier!

Im Festsaal, da geht’s dann lebendig scho zua,
es dauer no lang, bis werd endlich a Ruah!
Alle san auf eahner Weise scho g’spannt,
denn bald gibt der Vorstand de Preise bekannt.

Der oa wia der ander woaß besser, bestimmt,
wo d’Wandergoaßl wohl desmal hikimmt,
d’Spender, dia lass’n si alle net lump’n,
‘s gibt Maßkrüag, Pokale und riesige Hump’n,
munter und frisch werd dann d’Musi no klinger,
und ganze Tisch hert ma jub’ln und singer!

Wenn a net alle in Salzburg und Bayern,
unsere Schnalzer an Grund ham zum Feiern,
is’s heit und war’s früahrer net wert, daß ma rert,
a guater Verlierer is a net verkehrt,
es is d’schönste Gewinn auf der Welt,
wenn a alt’s Brauchtum sein Sinn net verfehlt!
Geht’s außer vom Haus, denn mir derfern uns g’frei,
der Winter ziagt aus und der Früahling kehrt ei!

Hilde Dusch, Ainring

 

“Aufdraht! Oane, zwoa, drei und dahi geht´s”

so kann man es zwischen Stefani und Faschingsdienstag im Rupertiwinkl, also zwischen Tittmoning und Piding, und in dem angrenzenden Flachgau und der Stadt Salzburg hören, wenn die Aperschnalzer aufdrahn. Das Aperschnalzen ist in verschiedenen Gegenden im Alpenraum verbreitet.

Was aber ist der ursprüngliche Sinn, der hinter diesem Brauch steckt? Lärm, Geschrei, Trommeln, Läuten, Knallen und Schießen, aber auch Masken und Larven dienten dem Menschen schon immer zum »Wecken« oder »Verscheuchen«. Früher stellte sich der Mensch die Kräfte des Wachstums und des Lebens wie auch ihre Gegenspieler als Lebewesen vor und so behandelte er sie auch.

Die guten Geister sollten geweckt werden, der Frühling und hauptsächlich die Sonne, die auf gedeihliches Wachsen und reiche Ernte hoffen ließen. Man glaubte, sie mit dem Knall der Goaßln antreiben zu können. Genauso wollte man den Winter mit seiner Finsternis und Kälte austreiben. In einem Spruch hoaßt‘s so:

    »Aperschnalzen, Grasausläuten,
    hört‘s ös net von allen Seiten,
    Winter, du saudummer Narr,
    wirst denn heuer nimmer gar.«

Mit dem Aperschnalzen (aper, althochdeutsch apir = offen, vom Schnee unbedeckt) sollte die kalte Jahreszeit vertrieben werden. Bereits Johann Andreas Schmeller erwähnt das Aperschnalzen als »feyerliche Begrüßung des schneeschmelzenden Frühlings auf den Voralpen durch Geißelgeknall«, ohne jedoch eine bestimmte Landschaft dafür zu benennen.

Bis jetzt ist waren die letzten Winter noch recht handsam, wenn man überhaupt von einem solchen reden kann, doch z.B. im Jahr (2001/2002) hat der Winter früh Einzug genommen und die Kälte ist seit Ende November so, wie es für einen Winter sein soll.. Bis zum Faschingsdienstag ist es noch lang hin und deshalb werden die Schnalzer noch genug zum Schnalzen haben. Ein alter Bauernspruch lautet: »Viel Schnalzen bringt ein gutes Jahr«.

Zum Schnalzen braucht man viel Kraft und Geschicklichkeit und des »Gspür« für den richtigen Rhythmus. Wer es nicht schon als Bua lernt, der wird es später wahrscheinlich nicht mehr lernen. Bei der Goaßl handelt es sich um einen kurzen Eschenstiel, an dem eine drei bis vier Meter lange geflochtene, mit geschmolzenem Pech, alter Wagenschmiere oder neuerdings mit Huffett eingelassene Schnur mit dem »Tream«, einer Lederschlinge, festgemacht ist. Am Ende der Schnur, dem »G‘häng«, ist ein Baststück oder eine Perlonschnur, der »Schmitz« oder »Poschn«, eingeflochten, das den Ton erzeugt.

Der Knall entsteht, wenn man mit beiden Händen die Goaßl fest nimmt und die Schnur am Anfang ein paar Mal über den Kopf kreisen läßt, um sie dann durch eine ruckartige Gegenbewegung schnalzen zu lassen. Diese Gegenbewegung wird neun- oder elfmal wiederholt. Hemdsärmelig und mit gespreizten Beinen schwingt der Schnalzer seine Goaßl. Die Schnalzer treten nicht einzeln, sondern in »Passen« an. Eine »Pass« besteht aus einer ungeraden Zahl; in der Regel aus sieben, neun oder elf Schnalzern. Sie stellen sich hintereinander in einer Linie mit entsprechendem Abstand auf. Der erste in der Reihe ist der »Aufdrahrer«; er gibt das Kommando:

»Heit‘s gschickt? Aufdraht, oane, zwoa, drei und dahi geht‘s«. Auf seinen ersten Schmalzer setzen nacheinander alle ein. Die Goaßln sind in ihrer Länge abgestimmt, d. h., die Schnur des »Aufdrahrers« ist kürzer als die Schnur des letzten. Nach dem Letzten kommt der Aufdrahrer wieder. So entsteht in gleichmäßigem Rhythmus ein Stakkato vom Aufdrahrer bis zum Letzten und das ganze recht schnell hintereinander. Vergleichen könnte man das ganze mit dem gleichmäßigen Schießen der Weihnachtsschützen aus Berchtesgaden, wenngleich das Tempo um ein vielfaches höher ist. Ubrigens, das Kommando ist je nach Ortschaft verschieden.

Ausführliche Berichte über das Aperschnalzen gibt es seit 1900. 1909 fand in Laufen im Fasching ein Aperschnalzen mit 153 Teilnehmern aus den umliegenden Dörfern statt, das schon den Wettkampfgedanken deutlich werden läßt. Wett- und Preisschnalzen sind ab 1931 überliefert. Das grenzübergreifende Ausüben dieses Brauchtums führte 1957 zur Gründung der Schnalzervereinigung Rupertigau, die jedes Jahr ein großes Preisschnalzen mit Passen von »herent« und »drent« abhält.

Flori Seestaller, Gauliederwart