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„Brauchtum im Weihnachtsfestkreis“ Bräuche vom Advent bis Maria Lichtmess Ausstellung im Landratsamt eröffnet - Manches droht vergessen zu werden "Der Landkreis ist stark geprägt von Tradition und Brauchtum. Doch manches droht in den Hintergrund gedrängt oder vergessen zu werden", sagte Landrat Georg Grabner am 4. Dezember 2006 im Landratsamt Bad Reichenhall. Dem soll die neue Ausstellung "Brauchtum im Weihnachtsfestkreis" entgegenwirken, die dort stattfindet und die Grabner vor mehr als 100 Gästen eröffnete. Sie ist bis 12 Januar 2007 zu den Behörden-Öffnungszeiten zu besichtigen. Grabner geht es darum, die "große Vielfalt" der noch heute lebendigen Bräuche im Berchtesgadener Land darzustellen. Alle Exponate und Hintergrundinformationen im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss hätten zahlreiche Frauen und Männer der Brauchtumsvereine, Heimatpfleger und in der Volkskultur engagierte Persönlichkeiten "mühsam zusammengetragen". Viele Bürger stellten Ausstellungsstücke unentgeltlich zur Verfügung. Die Ausstellungseröffnung besuchten auch der Vorstand des Gauverbandes I, Peter Eicher, verschiedene Gauausschussmitglieder und viele weitere Trachtler, Friederike Reinbold, Museumsleiterin in Berchtesgaden und der ehemalige Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier. Musikalisch umrahmt wurde sie von der "Familienmusik Auer". Die Problematik des Ausstellens von Brauchtum beleuchtete Kreisarchivar und Stadtheimatpfleger von Bad Reichenhall - Dr. Johannes Lang - in seinem bemerkenswerten Eröffnungsvortrag. Das Wesen von lebendigem Brauchtum sei, dass es "sich im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung festsetzt und nicht aufgeschrieben werden muss. Wir sollten uns davor hüten, im Zusammenhang mit dem Brauchtum nur von alten Werten, von uralten Traditionen und von echten Bräuchen zu sprechen", ergänzte Dr. Lang. Bräuche unterlägen einem ständigen Wandel, und viele Erklärungsversuche seien einfacher als man annehmen wolle. So habe der Brauchtumsforscher Professor Hans Moser in den 60er Jahren nachweisen können, dass Fastnacht und Karneval nichts mit einer vermeintlich "uralten" mythologischen Deutung zu tun hätten, sondern ihre Ursprünge im stadtbürgerlichen Hintergrund des Spätmittelalters liegen. Ein Brauch vermittle ein bestimmtes Weltbild und folge genauen Spielregeln. Wenn dem Hlg. Nikolaus als dem Sinnbild des Guten der Krampus als Sinnbild des Bösen zur Seite gestellt werde, so habe man damit ursprünglich die Weltordnung darstellen wollen, "die nur durch ihre Gegensätze und Ausgewogenheit existieren kann". Diese Ordnung sei "in Frage gestellt", wenn der Nikolaus heute von 15 "Krampussen" begleitet werde, der "Kuschelkrampus" zur Schau gestellt werde oder gar eine Pass für Schaulaufen in einem Einkaufszentrum 5.000 Euro und mehr bekomme. Abschließend regte Dr. Lang an, aus den Inhalten der Ausstellung eine Broschüre zu erstellen, "ein kleines Büchlein gegen die Beliebigkeit", wie er meinte. Die Ausstellung selbst widmet sich den noch gelebten Bräuchen im Landkreis Berchtesgadener Land in der Zeit vom ersten Adventssonntag bis Maria Lichtmess am 2. Februar. Bräuche wie Barbara- und Nikolaustag, Adventssingen oder Rorate (Engelamt) werden erklärt. Auch interessante Hintergründe sind nachzulesen, etwa über das "Klöckelsingen", das seine Ursprünge im 15. Jahrhundert hat. Ursprünglich gingen Erwachsene, nicht Kinder an den Adventsdonnerstagen mit Neujahrswünschen von Hof zu Hof. Auch damals schon gab es wie heute, wenn die „Percht“ unterwegs war (5. Januar), Auswüchse und Raufereien: 1555 sind um Reichenhall und Marzoll drei Straftaten wie "fließend Wunden geschlagen" oder "auf dem Freithof einen Rumor angehebt" belegt. Beim Stichwort "Heiliger Abend" liest man statt über die Bescherung etwas über die "Rauchnächte" (Rauhnächte). Am 24. und 31. Dezember, früher auch am Thomastag, 21. Dezember und am 5. Januar (die Nacht auf Hl. Dreikönig) wird das Haus vom Hausherrn mit begleitenden Gebeten "geräuchert" (ausgeräuchert, gesäubert). Eine geschnitzte Marienfigur erzählt vom "Frauentragen", das heute nur noch in wenigen Gemeinden (Ramsau, Teisendorf , Laufen, Anger) praktiziert wird. Böller erinnern an den Brauch des Christkindl-Läutens der Berchtesgadener Weihnachtsschützen, eine passend gekleidete Schaufensterpuppe an das "Aperschnalzen" im Rupertiwinkel. Zusätzlich gibt es 219 Hörbeispiele vom Aperschnalzen aus dem Internet. Die Besonderheiten der weithin bekannten „Buttnmandl“ mit dem Nikolaus und seinen „Gankerln“ (Fellkramperl), die nur im inneren Landkreis (Berchtesgaden) zu Hause sind und ebenso die „Karlsteiner Schönperchten“ und „Nonner Schiachperchten“, die nur am Abend des 5. Januars in den Reichenhaller Ortsteilen Karlstein und Nonn von Haus zu Haus unterwegs sind, nehmen einen breiten Raum im Erd- und Obergeschoss ein. Besondere Raritäten der Ausstellung sind auch ein "Schifferkripperl" aus Laufen und ein "Berchtesgadener Christbaum" mit traditionell handgefertigtem, buntem Christbaumschmuck aus Holz („Berchtesgadener War“) und sein Vorgänger das „Paradeisl“. Auch so genanntes „Neues Brauchtum“ aus der jüngsten Zeit (die letzten 15 – 20 Jahre), das von den Ausübenden immer wieder als „ uraltes Brauchtum“ angepriesen wird, wie Krampus- und Perchtenläufe, Krampusperchten, Weihnachtsmann, Schokoladen-Nikolaus usw. wurden dargestellt und kritisch hinterfragt. Christian Hinterstoißer |
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