Alpenländisches Kulturgut in Form von Plattlern, Tänzen, Lied und Musik präsentiert
Gauheimatabend nach siebenjähriger Pause wieder in Berchtesgaden

„Sitt’ und Brauch der Alten wollen wir erhalten“, so lautet der Wahlspruch der Trachtenvereine. Diesem Motto wurde mit einem großen Gauheimatabend des Gauverbandes I der oberbayerischen Gebirgstrachtenvereine im Berchtesgadener Kur- und Kongresshaus Rechnung getragen. Im voll besetzten Saal wurde von dem Mitwirkenden ein eindrucksvoller Streifzug davon präsentiert, was der regionale Alpenraum an Tracht, Lied, Musik, Plattler und Tanz zu bieten hat. Als Veranstalter fungierten die Vereinigten Trachtenvereine des Berchtesgadener Landes, wobei die Hauptorganisation beim stellvertretenden Vorsitzenden Tobias Kastner lag. Das Proben und Vorbereiten hatte sich gelohnt, wie sich in einem rund zweistündigen Programm zeigen sollte.

Eindrucksvoll gestaltete sich bereits der Auftakt, als alle Mitwirkenden unter den Klängen der Bockstoa Musi in den Saal einzogen. Schon dieser erste Auftritt versprach einen interessanten Abend bei dem überliefertes Brauchtum im Mittelpunkt stand. Josef Wenig als Vorstand hieß die Trachtengesellschaft willkommen und freute sich darüber, dass aus Anlass des Festjahres „Berchtesgaden seit 200 Jahren bayerisch“ die Großveranstaltung in der Marktgemeinde stattfindet. Denn zum letzten Mal war im Jahre 2003 ein Gauheimatabend in Berchtesgaden abgehalten worden. Wenig dankte Tobias Kastner für die vorbereitenden Arbeiten, vor allem aber den Dirndln und Buam, die sich durch ihr aktives Mitwirken für die den Erhalt der Trachtensache stark machen. Ein kurzes Grußwort sprach auch Gauvorstand Peter Eicher aus Weißbach an der Alpenstraße. Mit einem bunten optischen Eindruck wurde gleich zu Beginn des Programms ein farbenfroher Akzent gesetzt. Was der Berchtesgadener Talkessel an Vielfalt im Trachtengewand zu bieten hat, das zeigte sich beim Auftritt der Jugendgruppe der Vereinigungsgruppe, die Sepp Angerer aus Bischofswiesen leitet. Die aktiven der Vereinigungsgruppe werden von Anderl Neumeier betreut, sie präsentierten im Laufe des Abends unter anderem einen der bekanntesten Tänze, den „Zwoasteirer“. Dieser Tanz, bei dem das Werben des Burschen um sein Mädel sehr deutlich zum Ausdruck gebracht wird, ist auch für die Zuschauer immer wieder spannend, wenn der Trachtenbua am Ende seine Tänzerin in die Höhe stemmen muss. Eine frische Brise wehte durch den Saal bei den Auftritten der Gaugruppe und der Gaujugendgruppe. Es sind nicht zuletzt die besten Trachtler aus dem ganzen Gauverband I, die sich in diesen Gruppen befinden. Mit Exaktheit und ausdrucksstarker Präsentation, bei der vor allem die Liebe zum Brauchtum deutlich wurde, absolvierten sie ihre Auftritte. Für die passende musikalische Grundlage war die Bockstoa Musi zuständig. Die siebenköpfige Formation aus Aufham ist eine erfahrene Gruppe in Sachen „Gauheimatabend“, und so war auch diesmal ein reibungsloses Zusammenwirken zwischen Musik- und Trachtengruppen gewährleistet. Einen interessanten akustischen Einblick in die Vielfalt des Volksliedes gab es durch die beiden mitwirkenden Gesangsgruppen. Die Stoaberg Sängerinnen und die Perler Buam verstanden es mit ihrer Sangeskunst die Zuhörer zu erfreuen. Die drei Frauen beeindruckten mit ihrem gefälligen Wohlklang der Stimmen, wobei auch die langjährige Erfahrung des gemeinsamen Singens deutlich wurde. Von den Perler Buam wird eigentlich immer die heitere Variante erwartet, und auch beim Gauheimatabend kam der Humor nicht zu kurz. „Die Sonntagsruah“, ein heiteres Lied mit mitreißend lustigem Text, war ein Paradebeispiel dafür. „Text“ war das Stichwort für Ansager Adi Hölzl. Er hatte die richtige Dosierung gewählt, nicht zu lange Sprechpassagen, heitere auflockernde Anekdoten und dazu ein wenig Information. So erfuhren die Zuhörer einiges zu den Gruppen, durften einen Rückblick in die vergangenen 200 Jahre unternehmen und erhielten einen Ausblick über die Veranstaltungen im Festjahr im Berchtesgadener Talkessel. Mit der Familienmusik Angerer wurde das bunte Programm abgerundet. Die fünfköpfige Familie erfreute das Publikum mit dezentem Spiel, wobei eine weitere Facette alpenländischen Kulturgutes deutlich gemacht wurde. Als weiterer Instrumentalist war Kreisvolksmusikwart Hansl Auer aus Hammerau nach Berchtesgadener gekommen, er war für die Liedbegleitung zuständig. Den vielen Zuschauern im Saal wurde ein buntes Kaleidoskop an jenen Überlieferungen geboten, die es sich die Trachtenvereine zur Aufgabe gemacht haben, sie zu erhalten und zu pflegen. Dieser Gauheimatabend hat es einmal mehr bewiesen, dass sich junge Leute für dieses Ansinnen begeistern lassen und es verstehen, mit Ausdruck und Überzeugungskraft überliefertes Volksgut zu präsentieren.  

Maria Horn 

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