Trachtenverein Obing feierte sein 100jähriges Gründungsjubiläum

Mit rund 40 Trachten-und Ortsvereinen feierten D`Grüabinga Obing ihren 100. Geburtstag und zeigten sich dabei traditionsbewusst, aber keineswegs von gestern und schon gar nicht müde.

Die Eingabe um schönes Wetter musste, laut Pfarrer Martin Klein bei irgendwelchen „Vorzimmer-Engeln hängengeblieben oder an der Überlastung der, dafür zuständigen Heiligen gescheitert sein. Jedenfalls musste der Festgottesdienst aufgrund der starken Regenfälle im Bierzelt abgehalten werden. Doch das tat der feierlichen Stimmung keinen Abbruch und so feierten rund 2000 Besucher gemeinsam die Heilige Messe, die von Pfarrer Martin Klein in Konzelebration mit Pfarrer Valentin Tremmel, Pfarrer Georg Blabsreiter und Diakon Wolfgang Mösmang gehalten wurde. Martin Klein schlug bei seiner Predigt eine Brücke von dem tiefwurzelnden Weinstock zum Fest des Trachtenvereins. Denn Brauchtum und auch Glaube hätten viel mit dem Bewusstsein zu tun, in welcher Erde man selber wurzele und da werde einem erst bewusst, dass man nur mit tiefen Wurzeln wachsen und gedeihen könne. Gerade in der heutigen Welt, da der Mensch so austauschbar geworden sei, wachse wieder seine starke Sehnsucht nach einem festen Rückhalt und der  könne im Glauben, aber möglicherweise in der Gemeinschaft  eines Vereins gefunden werden. Schon der Festabend habe gezeigt, wie viel ehrenamtliches Engagement der Trachtenverein â€žD`Grüabinga Obing in die Vereins- und Jugendarbeit investierten und wie wichtig dem Verein die Brauchtumspflege sei. „Da weiß man wo man hingehört, da fühlt man sich zuhause“, schwärmte Pfarrer Martin Klein. Im Anschluss segnete er die restaurierte Fahne mit den beiden neuen Fahnenbändern die von Tine Hoiß und Manuela Egner überreicht wurden.

Allem Anschein nach erreichten die vielen Bittgebete schließlich doch noch die richtige Stelle, denn nach dem Gottesdienst klarte es auf und der prächtige Festzug mit den Vereinen, vielen Festwägen und 8 Musikkapellen konnte doch vom Festzelt am Sportplatz über die Bundesstraße 304 bis zum Ortsende an der Wasserburger Straße und wieder zurück stattfinden und bildete mit dem Gegenzug ein farbenprächtiges Bild. Dazu hatten sich auch jede Menge Zuschauer eingefunden, die die Hoffnung auf einen schönen Umzug auch nicht aufgegeben hatten.  Mit dem Bieranstich am Freitagabend begann die Festwoche im Bierzelt am Sportplatz in Obing. Souverän zapfte Schirmherr Bürgermeister Hans Thurner das erste Fass und verbritschelte dabei  nicht einen Tropfen des Festbieres. Er freute sich, dass nach den ereignisreichen Festwochen des vergangenen Jahres auch heuer wieder in Obing gezeltet werde. Die Blaskapelle Großkarolinenfeld sorgte für die musikalische Unterhaltung und einen vergnüglichen Abend. Der Festabend am Samstag wurde zu einem Erlebnis für Brauchtumskenner und Freunde der leiseren und doch sehr humorvollen Unterhaltung. Die Musik- und Tanzgruppen des Vereins sorgten für die Abendgestaltung mit Volksmusik, Gstanzeln und traditionellen Tänzen. Daneben gaben die Goaßlschnalzer und anschließend die Schnaitseer Zimmererklopfer für kurze Zeit den Takt an. Nach gutem, altem Brauch demonstrierten sie das Zimmererklopfen, das früher zum Dank und aus Freude über eine fertige Arbeit veranstaltet wurde. Die Albertaicher Dirndl überreichten dem Festverein und seinem Vorstand Manfred Falter mit lustigen Gstanzeln einen Schaukelstuhl, denn mit hundert  wolle man sich gelegentlich ausruhen, vermuteten sie. Der Patenverein Albertaich-Frabertsham überbrachte als Geschenk ein gemeinsames Weißwurstfrühstück.  Alle Ehrengäste, sowie die teilnehmenden Vereine am Festsonntag erhielten vom Festverein als Ehrengabe den Obinger Löwen, eine Porzellanfigur, die dem Bayrischen Löwen nach empfunden wurde, als Dank für die Unterstützung und die Teilnahme am Gründungsfest. Moderator des Abends, Siegi Götze führte gekonnt stimmungsvoll und mit dem Gespür für das Publikum durch das abwechslungsreiche Programm des Abends, auf den er sich, nach eigenen Worten schon so gefreut hatte. Denn in Obing werde ohne viel Aufhebens wirkungsvolle Arbeit im Erwachsenen,- Kinder- und Jugendbereich geleistet und ein Jeder bekomme die Wertschätzung, die er verdiene. Man besinne sich auf seine Wurzeln, das habe Substanz und Inhalt und sei aber durchaus nach vorne gerichtet. Götze hob einige Stationen aus der 100 jährigen Vereinsgeschichte besonders hervor. Bereits ein Jahr nach der Gründung sei der Verein 1911 dem Trachtenverband beigetreten und das habe immerhin 7.65 Reichsmark gekostet. 1938 habe man sich kurzfristig in „Seerose Obing“ umbenannt. 1946 habe der Verein wieder seinen Namen „D`Grüabinga“ angenommen. Von 1948 bis 1954 seien Theaterstücke aufgeführt worden und viele Wald- und Seefeste seien von 1950 bis 1972 veranstaltet worden. 1979 sei die Schnalzergruppe gegründet worden.  1981 habe die Einweihung des Vereinsheims stattgefunden. Seit 1992 finde ein reger Kulturaustausch mit den Sarden statt, im Verein werde rege Volksmusik- und Jugendarbeit betrieben und Soziales stünde im Vordergrund. Seit 1996 pflegen die „Grüabinga“ auch eine Freundschaft zum Trachtenverein Edelweis aus Mainz-Weisenau. Der Rhein-Main Gauverband ist Mitglied im bayrischen Trachtenverband und die zünftigen Hessen nahmen die 500 Kilometer lange Anreise auf sich, um beim Jubiläum in Obing mitfeiern zu können. Das brachte ihnen natürlich auch den Weitpreis ein.  Mit einem gemeinsamen Mittagessen, den Grußworten von  Klaus Steiner, dem stellvertretenden Landrat Georg Klaußner , dem Gauvorsitzenden Peter Eicher und dem Dank von Vorsitzenden des Obinger Trachtenvereins, Manfred Falter, sowie den Ehrtänzen klang der Festsonntag mit der Obinger Blaskapelle aus.

Christl Auer

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