Das Volkstheater Bereits in der Barock- und Rokokozeit kam dem Volkstheater eine große Bedeutung
zu, wobei vorwiegend Passionsspiele und Heiligenlegenden aufgeführt wurden, die mit lustigen Szenen durchsetzt waren. Die katholische Kirche benutzte das Theater und die Spielfreudigkeit der Bayern geschickt als Werbemittel für die
Ideen der Gegenreformation, so dass im 18. Jahrhundert das »Comödispielen« eine regelrechte Blüte erlebte. Die Bühnensprache war bis zum Ende des 17. Jahrhunderts Latein, dem einfachen Volk wurde jedoch in Form von Handzetteln und
Programmheften Inhalt und christlicher Charakter der Stücke erklärt. Aufgrund des wachsenden Interesses am Landleben setzte sich im 19. Jahrhundert eine neue Gattung von Volksstücken aus dem ländlichen Bereich
durch. Ludwig Anzengruber schuf vorwiegend ernste Dramen mit zeitkritischem Einschlag und Ludwig Ganghofer hatte mit idealisierenden Heimatstücken aus der oberbayerischen Gebirgswelt große Erfolge. Die Entwicklung ging weiter zu
bäuerlichen Lustspielen und reinen Bauernpossen. Die Bewegung griff von der Stadt auf das Land über und führte vor allem in bevorzugten Sommerfrischen zum Entstehen von Bauerntheatern. Der Münchner Hofschauspieler Konrad Dreher
eröffnete 1862 zusammen mit Xaver Terofal das »Schlierseer Bauerntheater«, in dem während der Fremdenverkehrssaison Laiendarsteller oberbayerische Gebirgsvolksstücke mit Plattler- und Jodlereinlagen mit großem Erfolg aufführten.
Die Inhalte dieser Werke waren häufig bäuerliche Klischees, die den Touristen eine »heile Welt der Berge voller naiver Dramatik« vermittelten. Nach Saisonschluß gingen zahlreiche Theater-gruppen auf Gastspielreisen, sogar bis in
die USA. Die Gründung und Entwicklung anderer Bauerntheater (Berchtesgaden, Partenkirchen etc.) verlief ähnlich. Angeregt durch die großen Erfolge der Bauerntheater begannen um die Jahrhundertwende auch zahlreiche Vereine mit der
Aufführung der ländlichen Volksstücke. Die Vereine pflegten damit einerseits die Erhaltung bestimmter kultureller Lebensgewohnheiten und förderten andererseits das gesellige Beisammensein unter den Mitgliedern. Ein erfreulicher
Nebenaspekt war zudem, daß mit den Theateraufführungen auch Geld in die nicht selten spärlich gefüllte Kasse floß. Unter den Trachtenvereinen im Gauverband 1 war es vor allem der Trachtenverein »Rosenheim Stamm 1« unter dem
Spielleiter Alois Bach, der die Ideen der Bauerntheater übernahm und ab 1983 neben den örtlichen Vorstellungen zahlreiche Gastspiele in den benachbarten Gemeinden, aber auch in München und Landshut gab. Andere Vereine im Inntal und
Chiemgau folgten bis in die dreißiger Jahre diesem Beispiel. Nach dem zweiten Weltkrieg setzten viele Trachtenvereine wieder die Tradition des Volkstheaters fort. Dramatische Wilderer- und Schmugglerstücke, bäuerliche Themen und
vor allem ernste Heimkehrerstücke zählten zunächst zum Repertoire der Vereine, die damit dem Zeitgeist Rechnung trugen. Die Hauptspielzeiten waren und sind die »tanzlosen« Advents- und Fastenzeiten. Mit der Gründung der
Theaterverlage und des bayerischen Volksspielkunstverbandes wurde schließlich eine bessere Übersicht über die vorhandenen Stücke und eine gute Betreuung der Vereine und Spielgruppen erreicht. Zu den ernsten Werken gesellten sich in
den vergangenen zwanzig Jahren zahlreiche Lustspiele und zeitkritische Handlungen. Ein großer Verdienst vieler Trachtenvereine gerade in der heutigen Zeit ist die vermehrte Auswahl historischer Spiele, bodenständiger
Stücke oder Geschehen, die den Einfluß der modernen Zeit auf die überlieferten Werte und Vorstellungen aufzeigen. Solche anspruchsvollen Werke verlangen den Laiendarstellern Können, Talent und ein großes Einfühlungsvermögen ab
Hildegard Kallmaier
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